Auf ein Gespräch mit Raywen White

Kurze Vita:

Der Liebe wegen ist Raywen White nach ihrem Informatikstudium ins Rhein-Main-Gebiet gezogen, wo sie heute gemeinsam mit ihrem Mann lebt. Schon als Kind wurde ihr nachgesagt, sie habe eine lebhafte Fantasie. Allerdings begann sie erst 2014 ihre bildgewaltigen und gefühlvollen Geschichten, die ihr im Kopf herumschwirrten, zu Papier zu bringen.

 

Liebe Frau White, was uns alle brennend interessiert: schreiben Sie gerade wieder an einer neuen Geschichte?

Genaugenommen sogar an mehreren. Auch wenn ich schreibtechnisch das letzte halbe Jahr kürzergetreten bin, hatte ich dennoch immer wieder ein paar Ideen, die ich zu Papier bringen musste. Momentan arbeite ich an einer Geschichte, die in Prag spielt und von Engeln, Dämonen und Vampiren handelt.

Seit wann wollen Geschichten aus Ihnen raus?

Rückblickend kann ich das gar nicht mehr genau sagen. Als ich vor sieben Jahren anfing zu schreiben, war es wie ein Befreiungsschlag. Ich habe erst danach gemerkt, dass Geschichten zu erzählen schon immer ein Teil meines Lebens war. Es hat nur nie jemand diese hören oder lesen können, denn sie waren nur in meinem Kopf. Viele Schreibanfänger starten mit Fanfictions. Als Kind habe ich ebenfalls oft die Geschichte von Büchern oder auch Fernsehserien für mich selbst weitererzählt oder verändert. Ich konnte stundenlang in einer Ecke sitzen und war in meiner eigenen Welt. Jedoch hatte ich nie den Gedanken gehabt, etwas aufzuschreiben, denn ich hatte Angst ausgelacht zu werden.

Warum leben Sie gerne in Kelsterbach?

Was ich besonders mag ist, dass Kelsterbach vor durch die Nähe zu Frankfurt viele Vorteile des Großstadtlebens bietet, aber gleichzeitig auch die Ruhe und das familiäre Ambiente einer kleinen Ortschaft. Ich fahre gern mit der S-Bahn nach Frankfurt, bin aber auch froh am Abend wieder dem Trubel zu entkommen. Als ich hierherzog, habe ich mich immer als wurzellos bezeichnet, da ich oft umgezogen bin und mich nie wirklich irgendwo heimisch gefühlt habe. Mittlerweile habe hier Wurzeln geschlagen und mit meinem Mann, der hier aufgewachsen ist, ein Haus gebaut.

Wohin wird Ihre erste Reise gehen, wenn die Pandemie ein unbeschwertes Reisen wieder zulässt?

Das kommt darauf an, wann die Pandemie dies zulässt. Aktuell eingeplant ist es nächstes Jahr zur Leipziger Buchmesse zu fahren. Wenn das funktioniert, werde ich mit zwei Autorenkolleginnen, die mittlerweile auch sehr gute Freundinnen sind und in der Nähe wohnen, dort ein langes Wochenende verbringen. Wirklich Urlaub machen werde ich allerdings erst mit meinem Mann nächsten Herbst auf Gran Canaria.

Welches Buch haben Sie gerade auf ihrem Nachttisch liegen?

Eigentlich keins und doch zugleich sehr viele, da dort der E-Book-Reader liegt. Gerade beendet habe ich The Witch Queen von Verena Bachmann. Momentan lese ich für K. Elly de Wulf den zweiten Teil der kleinen Alpakaform in Schottland test, der voraussichtlich nächstes Jahr im März erscheinen wird. Als nächstes schwanke ich noch zwischen Vortex von Anna Benning oder Noble Match von Nicole Knoblauch.

Welches Buch haben Sie als Jugendliche verschlungen?

Eins? Als Jugendliche bin ich mindestens alle zwei Wochen bei uns in die Bibliothek gefahren und habe mir einen ganzen Stapel ausgeliehen. Meist eine sehr bunte Mischung aus Fantasy, Histos und Jugendbüchern. Die drei Frage Zeichen, Vom Winde verweht, das Phantom der Oper oder auch Herr der Ringe… Es war einfach alles dabei.

Eine Marotte von Ihnen?

Wenn ich abends auf der Couch liege, müssen die Socken aus.

Mit wem würden Sie gern für einen Tag den Platz tauschen?

Ich würde gerne mit einem Jugendlichen tauschen. Ich bin großer Fan von Filmen, die Eltern mit den Kindern tauschen, um zu sehen, wie das Leben in der Rolle des anderen ist. Die Welt scheint sich immer schneller zu drehen und manchmal wünschte ich mir einfach auch Dinge nachzuholen, die ich damals nicht gemacht habe.

Wo klappt Offline besser als Online?

Mal runterkommen und sich entspannen. Einfach im Garten sitzen, die Sonne und eine leichte Brise auf der Haut spüren und die Füße hochlegen.

Total überwertet finde ich …  

… immer recht zu haben. Manchmal gibt es kein Wahr oder Falsch. Kein Schwarz oder Weiß. Die meisten Konflikte können nicht gelöst werden, weil man auf die eigene Meinung pocht.

Was wollten Sie als Kind immer werden?

                Zeichnerin bei Disney.

Ihre Helden des Alltags?

Familien, die während der Pandemie Job, Haushalt und Kinderbetreuung jonglieren mussten.

Welche Gabe würden Sie gerne besitzen?

Telekinese. Es wäre einfach fantastisch Dinge nur mit den Gedanken zu bewegen. Da es das allerdings nicht wirklich gibt, würde ich mich auch mit mehr Selbstvertrauen begnügen. Ich bewundere Menschen, die selbstbewusst durchs Leben gehen. Gerade beim Schreiben fehlt mir leider oft dieses Vertrauen in mich und meine Geschichten.