Auf ein Gespräch mit Roland Rücker

Kurze Vita: 
Seit 1990 bin ich in Kelsterbach Zuhause.
Noch länger arbeite ich am Flughafen.
Noch lieber bin ich mit und für das Fahrrad unterwegs...

Herr Rücker, sie sind jetzt seit dem 1.10.2019 ehrenamtlicher Fahrradbeauftragter der Stadt Kelsterbach? Warum bewegt Sie das Thema?
Weil das Fahrrad, verbunden mit viel Freude, gesund, an der frischen Luft, leise, meist direkt vor die Tür, in vergleichsweise und manchmal überraschend kurzer Zeit, von A nach B bewegt:
Ob zum Bäcker, zur Arbeit, zu Freunden, zu Besprechungen im Rat- oder Fritz-Treutel-Haus, entlang der schönsten Flüsse Deutschlands oder auch bis an den Atlantik.
Aber keine Frage: der Wind kommt immer von vorne...
Zurück nach Kelsterbach und in die Stadtbibliothek – ein Besuch dort fühlt sich manchmal auch wie ein kleiner Urlaub an, und so kann ich einen dortigen Besuch (auch für die Urlaubsvorbereitung) nur wärmstens empfehlen. PS: guten Kaffee und freundliche Gesichter gibt’s dort auch...

Warum leben Sie gerne in Kelsterbach?
Weil der Wege zur Arbeit kurz ist – vor jedem Frühdienst, kurz vor sechs, fünfzehn Kilometer mit dem Rad, das wäre auch mir zu viel des Guten. 
Natürlich aufgrund des Freundeskreises, über den ich mich hier im Ort und im Rhein/Main Gebiet glücklich schätzen darf. 
Wegen meinen Geschwistern in der Petrusgemeinde, zu der ich gehöre. 
Ich mag die Nähe zu unserem „Kelsterbacher Wohnzimmer“ am Main, dem Wald und Frankfurt. 
Und schließlich ist es komfortabel, alle viertel Stunde eine S-Bahn zu bekommen und einen ICE Bahnhof quasi vor der Haustür zu haben.
 
Seit meiner Tätigkeit im Ehrenamt lebe ich, das sage ich gern, noch lieber hier: 
Es verbindet immer mehr mit Menschen die hier leben und arbeiten. 
Auch weil ich jeden Tag dazu lerne, wie diese Stadt „funktioniert“.
Der Blick hinter die Kulissen: Wer steckt dahinter? Wer macht was, bringt sich wie ein? 
Wer sind die eher Unsichtbaren, die die Stadt mit am Laufen halten... 
So habe ich in den vergangenen anderthalb Jahren unglaublich viele interessante und faszinierende Menschen kennen und schätzen gelernt. So bedanke ich mich für die Gelegenheit, das hier einmal deutlich zum Ausdruck bringen zu dürfen.
  
Wohin wird Ihre erste Reise gehen, wenn die Pandemie ein unbeschwertes Reisen wieder zulässt?
KOPENHAGEN – und ich freu mich drauf wie Bolle...

Welches Buch haben Sie gerade auf ihrem Nachttisch liegen?
Jan Gehl „Städte für Menschen“ 

Mit wem würden Sie gern für einen Tag den Platz tauschen?
Alexander Gerst, wenn er wieder „oben“ ist.
Ich finde, mit seiner Intelligenz, seinen Kenntnissen und natürlich seinem Blick von der ISS auf die Erde, ist er dann immer mit schwereloser Leichtigkeit in der Lage, hellauf zu begeistern, unglaublich zu motivieren, grenzenlos zu denken, und faszinierende Antworten zu geben... 

Wo klappt Offline besser als Online?
Natürlich sehe ich, gerade bei Seminaren und Sitzungen, wie unglaublich viele Ressourcen, Zeit und Wege online eingespart, bzw. vermieden werden. Letzteres sieht man deutlich an den sinkenden Unfallzahlen auf den Straßen in den letzten eineinhalb Jahren. Offline Zuhause ist weitaus angenehmer als Online im Stau oder in vollen S-Bahnen. Leider jedoch einhergehend mit dramatischen Verlusten von tausenden Menschenleben durch die Pandemie. Das Eine wiegt das Andere bei Weitem nicht auf. 

Total überwertet finde ich …  
... wieviel Raum man noch immer glaubt, Autos zur Verfügung stellen zu müssen. 
Unterbewertet finde ich hingegen oft die Vorteile, welche das Fahrrad aufgrund der geringen Distanzen in Kelsterbach bietet: 
Nicht jeder Einkauf ist ein Großer, zur Post bringen wir nicht nur sperrige Pakete.
Die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes von ca. 2000 Kilogramm KFZ auf drei Kilometern für den „Transport“ von 20 Gramm Brief oder einer Tüte mit 200 Gramm Brötchen stelle ich in Frage.

Was wollten Sie als Kind immer werden?
Feuerwehrmann, Herr Rolle wir müssen reden ;-)

Was ist Ihr nächstes Projekt?
Die Reise nach Kopenhagen vorbereiten. Wir sehen uns dort...

Ihre Helden des Alltags?
Da ist meine Lieblingsfrage mit deren Beantwortung ich mir schon viel zu lange Zeit gelassen habe: 
Die Mitarbeiterinnen & Mitarbeiter der Kelsterbacher Kommunalbetriebe:
Sie machen unsere Stadt schöner, bunter, sauberer, entspannter, grüner, orangener, sicherer, wieder heil und an vielen Stellen auch immer wieder neu. Mal ist es dabei extrem heiß, mal saukalt, klatschnass, harte körperliche Arbeit, stundenlang gebeugt wie die Spargelstecher, es stinkt, ist eklig, glitschig und dazu noch steil, oder hoch, mit Schrammen, Dornen und Schnitten, herausfordernd, stressig, in jeder Hinsicht anspruchsvoll und manchmal und eigentlich gar nicht Ihre Aufgabe... 
Sie machen es einfach, und sie machen es klasse! Ja, vor Ihnen ziehe ich den Helm - Jeden Tag auf’s Neue. 

Was ist die beste Zeit des Lebens?
Zeit mit der Familie, den Freunden und all den Menschen, von denen hier die Rede ist...
Somit auch, wenn ich den Bürgern Kelsterbachs rund ums Radfahren behilflich sein kann.

Kelsterbach, im Juli 2021